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Gebet

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Pflichtgebet und Bittgebet
Gemeinschaftsgebet
Frauen und Männer
feste Form
Bedingungen für ein gültiges Gebet
Gebetszeiten
Gebetsruf
Ablauf eines Pflichtgebetes
Lobpreisung
Farz und Sunna
Gebet hinter dem Imam
Verweise

Pflichtgebet und Bittgebet

In der Praxis des Islams wird zwischen dem im Koran vorgeschriebenen Salat (türk.: Namaz Pflichtgebet) und dem freien Dua (Bittgebet) unterschieden. Während das Dua zu jeder Zeit, an jedem Ort, in der Muttersprache des Betenden gebetet werden kann, unterliegt das Pflichtgebet bestimmten Einschränkungen.

Das Gebet ist Ausdruck der Dankbarkeit und Mittel zur Selbstbesinnung und Selbstfindung. "So ertrage mit Geduld was sie [die Menschen] sagen. Und singe das Lob deines Herrn vor dem Aufgang der Sonne und vor ihrem Untergang. Und preise ihn zu verschiedenen Nachtzeiten und an den Enden des Tages, auf das du zufrieden bist. ... Und befiehl deinen Angehörigen das Gebet zu verrichten. Und harre du darin aus. Wir fordern keinen Lebensunterhalt von dir. Wir bescheren dir doch den Lebensunterhalt. Und das gute Ende gehört der Frömmigkeit." (Sure 20 Ta Ha, 130-132)

Aber das Gebet soll den Menschen wandeln, nicht nur äußerlich vollzogene Pflicht bleiben: "Wehe den Betenden, die auf ihr Gebet nicht Acht geben, die nur gesehen werden wollen, und die Hilfeleistung verwehren." (Sure 107 Al-Ma'un, 4-7)


Gemeinschaftsgebet

Das Gebet zur festen Zeit, kann einzeln, in der Gemeinschaft aller Familienmitglieder oder in der Gemeinde in der Moschee oder an einem anderen Ort vollzogen werden. Verdienstvoller ist das Gebet in der Gemeinde - für das Mittagsgebet am Freitag ist dies auch vorgeschrieben, zumindest für die erwachsenen Männer. Hier findet dann nicht nur das Gebet, sondern auch eine Koranauslegung und eine Predigt statt.


Frauen und Männer

Frauen und Männer beten getrennt, oft hintereinander ( was aber keine Rangfolge ausdrücken soll), um sich nicht gegenseitig vom Gebet abzulenken. Beim Gebet der Familie gilt diese Regelung nicht.


feste Form

Das Gebet hat seine eigene feste Form, die seit der Zeit des Propheten Muhammad (sas) unverändert weitergegeben wird. Die Bewahrung des Gebetes in der Art, wie das Original vom Propheten eingeführt wurde, ist nur durch eine feste Form, im festem Ablauf, mit vorgeschriebenen Bewegungen und Haltungen und in arabischer Sprache gewährleistet. Diese Form gibt dem zerstreuten Gemüt des Beters Halt und fördert die Konzentration. Ein Muslim, der das Gebet in einer fremden Gemeinde, womöglich in einem fremden Land, bei Menschen, deren Sprache er nicht versteht, verrichtet, kann ohne Probleme am Gebet teilnehmen, es sogar leiten, und sich in dreifacher Hinsicht geborgen fühlen: Er weiß und erfährt, dass dieses Gebet, in der Form, in der er es aus seiner Heimatgemeinde kennt, gebetet wird, in einer Sprache und Formeln, die ihm von Jugend an vertraut sind, und in einer Art und Weise die ihn in die Gegenwart des Propheten entrückt.


Bedingungen für ein gültiges Gebet

Das Gebet muss, um als gültiges Gebet zu gelten, folgende Bedingungen erfüllen:

Die körperliche Reinheit des Betenden ist dann gewährleistet, wenn er nach Schlaf, Bewusstlosigkeit oder körperlicher Notdurft sich durch einen Abdest (Waschung) mit Wasser reinigt. Dabei werden Mund und Nase ausgespült, das Gesicht gewaschen und der Kopf abgewischt, die Arme bis zu den Ellbogen und die Füße bis zu den Knöcheln gewaschen. Die meisten Moscheen beheimaten deshalb eine Toilette und eine Waschgelegenheit.

Die ausreichende Bekleidung wird für Frauen strenger als für Männer beurteilt. Während diese Körper, Oberarme, Beine und Haare bedecken müssen, genügt es bei jenen, wenn sie vom Nabel bis zu den Knien bekleidet sind. Fromme Muslime werden aber auch ihren Kopf für das Gebet bedecken.

Die Sauberkeit des Ortes ist in einer Moschee auf jeden Fall gewährleistet. Außerhalb kann sie schon durch einen Gebetsteppich oder ein ausgelegtes Kleidungsstück gewährleistet sein. Für den Notfall genügt sogar eine Zeitung oder ein Stück Pappe, selbst das Abfegen des Platzes, den der Beter beanspruchen wird, würde hier akzeptiert werden.

Das leise Aussprechen einer Absicht ist eine Notwendigkeit bei vielen gottesdienstlichen Handlungen des Islams. Die jeweilige Handlung soll als bewusste Entscheidung, nicht als gewohnheitsmäßiges ungefragtes Handeln sichtbar werden und zudem den Zweck kennzeichnen. Nur Gott zuliebe, nicht um eigenen Verdienst oder um eigenen oder fremden Vorteil soll die Handlung erfolgen.


Gebetszeiten

Als vorgeschriebene Gebetszeiten bzw. Zeiträume für das Gebet gelten fünf Tageszeiten und entsprechende Tagesgebete:

 

arabisch  

türkisch  

 

Zeitpunkt

1.  

Fadschr

Sabah

Morgengebet

morgens zwischen Beginn der Morgendämmerung und dem Sonnenaufgang

2.

Zuhr

Ögle

Mittagsgebet

mittags, nach dem Höchststand der Sonne

3.

Asr

Ikindi

Nachmittagsgebet  

wenn der Schatten eines Gegenstandes länger als der Gegenstand selbst geworden ist

4.

Maghrib

Aksam

Abendgebet

nach Sonnenuntergang

5.

Ischa

Yatsi

Nachtgebet

nach Ende der Abenddämmerung

Wenn ein Gebet nicht im entsprechenden Zeitraum gebetet werden konnte, kann es jederzeit nachgeholt werden, notfalls auch alle Gebete des Tages vor dem Schlafengehen.


Gebetsruf

Angekündigt wird das Gebet durch den "Adhan" oder "Ezan" (türk.), den Gebetsruf, der im islamischen Ländern kunstvoll und gut vernehmbar vom Muezzin vom Minarett der Moschee herab verkündet wird.

4 x  

Allâhu ekber.

Gott ist größer.

2 x

Eschhedu el lâ ilâhe illallâh.

Ich bezeuge, es gibt keine Gottheit außer Gott.

2 x

Eschedu enne Muhammeder-rasûlullâh.  

Ich bezeuge, Mohammed ist der Gesandte Gottes.

2 x

Haye ‘ales-salâh.

Auf zum Gebet!

2 x

Haye ‘alel-felâh.

Auf zum Heil!

2 x

Essalâtu hairun minem-nevm.

Das Gebet ist besser als der Schlaf.
- nur morgens -

2 x

Allâhu ekber.

Gott ist größer.

1 x

Lâ ilâhe illallâh.

Es gibt keine Gottheit außer Gott




Ablauf eines Pflichtgebetes

Das Pflichtgebet verläuft nach einem vorgeschriebenen Ablauf. Als grundlegende Einheit des Gebetes, die sich immer wiederholt, gilt ein Rekat, eine Abfolge von Stehen, Verbeugen und Niederwerfen. Alle Gebete setzen sich so aus 2, 3 oder 4 Rekat zusammen.

(1) Tekbir Größenbezeugnis

Allahu ekber.

(am Beginn des ersten Rekat)

Gott ist größer.



(2) Subhaneke Preisung

Subhâneke allâhumme ve bihamdik.
Ve tebâra kesmuk.
Ve te’âla dschedduk.
Ve-lâ ilâhe ghayruk.

(nur im ersten Rekat eines Gebetes)

Gepriesen seiest du Allah und Lob sei dir.
Dein Name ist geheiligt.
Hoch bist du in deiner Gewaltigkeit.
Und es gibt keine Gottheit außer dir.



(3) E'ûzu Schutzspruch

E’ûzu billâhi minesch-scheytânirradschîm

(nur im ersten Rekat eines Gebetes)

Ich nehme Zuflucht bei Gott vor dem gesteinigten Satan.



(4) Sure Al-Fatiha Grundgebet

Bismillâhir-rahmânir-rahîm.

Elhamdu lillâhi Rabbil ‘âlemîn.
Errahmânir-rahîm.
Mâliki yevmid-din.
Îyâke na’budu ve îyâke neste’în.
Ihdinas-sirâtal-musteqîm.
Sirâtallezîne en’amte ‘aleyhim
ghayril-magdûbi aleyhim
ve led-dââllîn.

Amin.

(in jedem Rekat)

Im Namen Gottes des Barmherzigen, des Erbarmers.

Lob sei Gott, dem Herrn der Weltenbewohner.
Dem Barmherzigen, dem Erbarmer.
Dem Herrn des Gerichtstages.
Dich beten wir an, und dich bitten wir um Hilfe.
Führe uns auf den rechten Weg.
Den Weg derer, denen du gnädig bist,
nicht derer, die deinen Zorn erregt haben
und nicht den Weg derer, die irregehen.

Amen.



(5) mind. 3 Verse aus dem Koran
z. B.: Sure Al-Ihlas

Qul huvellâhu ehad.
Allâhus-Samed.
Lem yelid velem yûled.
Velem yekul lehû kufuven ehad.

(nur in den ersten beiden Rekat)


Sprich, er, Gott, ist der Einzige.
Gott, der Beständige.
Er hat nie gezeugt, noch ist er gezeugt worden.
Und keiner ist ihm gleich.



(6) Ruku Verneigung

Allahu ekber.
Subhâne rabbiyel-‘azîm. (3x)

Semi’allâhu limen hamideh.
Rabbenâ lekel hamd.

(in jedem Rekat)

Gott ist größer.
Gepriesen ist mein Herr, der Erhabene. (3x)
(beim Aufrichten)
Gott hat den gehört, der ihn lobt.
Unser Herr, Lob sei dir!



(7) Sedschde Niederwerfung

Allahu ekber.
Subhâne rabbiyel-a’lâ. (3 x)
Allahu ekber.

Allahu ekber.
Subhâne rabbiyel-a’lâ. (3 x)
Allahu ekber

(in jedem Rekat)

Gott ist größer.
Gepriesen ist mein Herr, der Höchste. (3x)
Gott ist größer.
(Aufrichten und abermalige Sedschde)
Gott ist größer.
Gepriesen ist mein Herr, der Höchste. (3x)
Gott ist größer.



(8) Ettehiyat Dienstbezeugnis

Ettehîyâtu lillâhi vessalevâtu vettâyîbât.
Esselâmu ‘aleyke eyuhennebîyu ve rahmetullâhi ve berakâtuh.
Esselâmu ‘aleynâ ve ‘alâ ibâdeillahissâhlihîn.
Eschhedu el-lâ ilâhe illallâh
ve eschhedu enne Muhammeden ‘abduhû ve rasûluh.

(Nach jedem zweiten oder vierten Rekat)

Jeglicher Dienst gehört allein Gott, sowie alle Anbetung.
Friede sei mit dir, o Prophet, sowie die Barmherzigkeit Gottes und seinen Segen.
Friede sei mit uns und allen aufrichtigen Dienern Gottes.
Ich bezeuge, es gibt keine Gottheit außer Gott.
Und ich bezeuge, Muhammad ist sein Diener und Gesandter.



(9) Salawat Segensbitte

Allâhume salli ‘alâ Muhammediv
ve ‘alâ âli Muhammed.
Kemâ salleyte ‘alâ Ibrâhîme
ve ‘alâ âli Ibrâhîm.
Inneke hamîdum mecîd.
Allâhume bârik ‘alâ Muhammediv
ve ‘alâ âli Muhammed.
Kemâ bârekte ‘alâ Ibrâhîme
ve ‘alâ âli Ibrâhîm.
Inneke hamîdum mecîd.

(Am Ende des Gebetes)

Mein Gott, sei gnädig mit Muhammad
und auch seinen Angehörigen,
Sowie du deine Gnade Abraham
und seinen Angehörigen gegeben hast.
Wahrlich, du bist der Ruhmreiche, der Erhabene.
Mein Gott, gib deinen Segen Muhammad
und auch seinen Angehörigen.
Sowie du deinen Segen Abraham
und seinen Angehörigen gegeben hast.
Wahrlich, du bist der Ruhmreiche, der Erhabene.



(10) Selam Friedensgruß

Esselâmu aleykum ve rahmetullâh.
Esselâmu aleykum ve rahmetullâh

(Am Ende des Gebetes)

Zur Rechten: Friede sei mit euch und die Gnade Gottes.
Zur Linken: Friede sei mit euch und die Gnade Gottes.



Ablauf eines typischen Gebetes von 4 Rekat

 

1. Rekat

2. Rekat

3. Rekat

4. Rekat

(1)

Größenbezeugnis

---

---

---

(2)

Preisung

---

---

---

(3)

Schutzformel

---

---

---

(4)

Grundgebet

Grundgebet

Grundgebet

Grundgebet

(5)

kurze Sure

kurze Sure

---

---

(6)

Verbeugung

Verbeugung

Verbeugung

Verbeugung

(7)

Niederwerfung

Niederwerfung

Niederwerfung

Niederwerfung

(8)

---

Dienstbezeugnis

---

Dienstbezeugnis

(9)

---

---

---

Segensbitte

(10)

---

---

---

Friedensgruß




Lobpreisung

Im Anschluss an den  Friedensgruß tritt ein "Tespih" (Lobpreisung). Das ist kein Pflichtteil des Gebetes, sondern eine freiwillige Frömmigkeitsübung. Dazu setzt man sich etwas bequemer hin und kann dabei auch aus der Qible (Richtung Mekka) rücken. Mit Hilfe einer Perlenschnur (auch Tespih genannt) wird:

33 x

Subhanellah

Preis sei Gott

33 x

Elhamdulillah

Gelobt sei Gott

33 x

Allahu ekber

Gott ist größer

rezitiert.

Daran anschließen kann sich ein Salawat (Segensbitte) für den Propheten Muhammad und seine Gemeinde - für sie wird der Segen Gottes erbeten.

Nun kann man die Hände für ein Dua (Bittgebet) öffnen, das keiner festen Form unterliegen muss und das jeder still vor sich hin mit seinen eigenen Bitten sprechen kann.

Den Abschluss bildet oft eine still rezitierte Sure Al-Fatiha. Am Ende streicht man sich über das Gesicht und verteilt so die Baraka (Segenskraft) des Gebetes. Zuweilen wünscht man dann den Mitbetern mit einem Händedruck, dass Gott das Gebet annehmen möge.


Farz und Sunna

Jedes Pflichtgebet setzt sich nun aus einer Anzahl von Rekat zusammen, die als "Farz" (geboten) gelten, und aus einer Anzahl von Rekat, die als "Sunna" (Tradition) freiwillige Erweiterung des Gebotenen nach dem Vorbild des Propheten dazutreten.

Morgengebet:

2 Rekat freiwillige Sunna

 

2 Rekat gebotener Farz

Mittagsgebet:

2 Rekat freiwillige Sunna

 

4 Rekat gebotener Farz

 

2 Rekat freiwillige Sunna

Nachmittagsgebet:

4 Rekat freiwillige Sunna

 

4 Rekat gebotener Farz

Abendgebet:

3 Rekat gebotener Farz

 

4 Rekat freiwillige Sunna

Nachtgebet:

4 Rekat freiwillige Sunna

 

4 Rekat gebotener Farz

 

2 Rekat freiwillige Sunna

 

3 Rekat gebotenes Sondergebet: Witr




Gebet hinter dem Imam

Betet man in der Gemeinde hinter einem Imam (dem man sich anvertraut - Vorbeter), so werden gemeinsam und unter Anleitung durch den Imam ausschließlich die gebotenen Farz-Rekats gebetet. Dabei achtet man auf eine geschlossene gerade Linie der Betenden. Teile des Gebetes werden vom Imam laut rezitiert, andere gemeinsam leise vor sich hin gesprochen. Die Sunna-Teile betet man jeder für sich leise in gemischter Reihe.


Verweise

« Das Gebet Von Halima Krausen. Vortrag im Rahmen der "Arbeitsgemeinschaft Interreligiöser Dialog" am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Hamburg

 

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wilhelm sabri hoffmann - rheine - 2004