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Muslimischer Friedhof in RheineMuslime finden in Rheine eine Ruhestätte |
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13.01.1999: Ein Friedhof für die Moslems
22.12.2000: Moslems finden in Rheine keine Ruhe
30.03.2001: Muslime drängen auf eigene Grabfelder
14.05.2001: Bekommt Rheine bald einen islamischen Friedhof?
05.07.2003: Grabfeld für Muslime
17.07.2003: Begräbnisplätze für Muslime in Kürze
27.10.2004: Nachbarn nun auch im Tod
Antrag der drei türkischen Vereine an den Sozialausschuß / Gespräche
Das beindruckende Ausstellungsprojekt "Stationen der türkischen Einwanderung", das sich nach einem stockenden Start sechs Wochen lang großer Resonanz erfreute, zeigt jetzt einen willkommenen Nebeneffekt: Die drei türkischen Vereine - Schul-, Eltern-, Kultur- und Sportverein, Islamische Union und Islamisches Kulturzentrum - sind sich nähergekommen. In bester Einstimmigkeit konfrontierten sie am Montag abend den Sozialauschuß mit dem Wunsch, für verstorbene Menschen, die dem moslemischen Glauben angehören und in Rheine beheimatet sind, auf einem evangelischen oder katholischen Friedhof eine gesonderte Bestattungsstelle bereit zu halten. 200 bis 300 Quadratmeter würden ausreichen. In anderen großen Städten gäbe es das schon, und man wäre sehr dankbar, wenn auch in Rheine diese Möglichkeit geschaffen würde. Diese Bitte sei nicht nur ein Anliegen der mit rund 1000 größten ausländischen Gruppe in Rheine, sondern gelte für Moslime aller Nationen, die in der Emsstadt leben. Mit einem eigenen Friedhofsstück sei aber keineswegs eine Absonderung von christlichen Gräbern beabsichtigt. Im Vordergrund stehe die Ausrichtung gen Mekka.
"Der Wunsch hat Berechtigung, darüber sollte ein schnelles Einvernehmen erzielt werden", so Ausschußvorsitzender Michael Reiske. Er bot an, mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche mit der Bitte um ein Gespräch Kontakt aufzunehmen.
Die Ausführung der türkischen Vereinsvertreter machte den Mitgliedern des Sozialausschusses deutlich, dass für die Schaffung einer gesonderten Beerdigungsstätte keine besondere Notwendigkeit vorhanden war. Fast alle verstorbenen Menschen, die dem islamischen Glauben angehören, wurden in ihre Heimat überführt. Dabei handelt es sich in der Regel um ältere Mitbürger, die vor 35 Jahren nach Deutschland kamen.
Deren Kinder gehören immer noch dem islamischen Glauben an, haben aber vielfach den Entschluß gefaßt, für immer hier zu leben. Da sei es vorhersehbar, dass sie nach dem Tod eines Angehörigen auch dessen Grabstätte besuchen möchten, hieß es weiter in der Begründung.
Münsterländische Volkszeitung, 13.01.1999
Moslems finden in Rheine keine Ruhe
Islamische Bestattung ist in der Emsstadt nicht möglich
von Matthias Schrief
Mehmet (Name geändert) lebt in Rheine. Er hat hier gearbeitet. "Ein paar Jahre bei Kümpers. Später bei Karmann. Schichtbetrieb. Harte Arbeit." Früher hat er auf gepackten Koffern gelebt, wollte eigentlich immer wieder in die Türkei zurück. Aber Mehmet ist geblieben. Längst hat der 58-Jährige den Gedanken an die Rückkehr in die Geburtsstadt aufgegeben. Seine Heimat ist jetzt Rheine. Kein Zurück mehr. Auch nach dem Tod nicht. In der Erde dieser Stadt, die seine geworden ist, möchte er zur ewigen Ruhe gebettet werden. "Meine Kinder leben hier, die Enkel. Hier sind wir zu Hause."
Der gütige Allah möge Mehmet allerdings noch reichlich mit Lebensjahren segnen. Denn eine Bestattung, wie sie die Gebote seines Glaubens vorschreiben, lassen sich auf den Rheiner Friedhöfen in naher Zukunft scheinbar nicht verwirklichen. Zwar stehen auf den Friedhöfen, die von den beiden christlichen Kirchen verwaltet werden, Grabstellen für Nicht-Christen bereit. Es ist in Rheine bislang allerdings nicht möglich, einen Muslim nach islamischem Ritus auf einem Rheiner Friedhof zu bestatten.
In der Kreisstadt Steinfurt ist eine muslimische Bestattung indes kein Problem. Vor etwa vier Jahren hat die Stadtverwaltung auf dem kommunalen Friedhof im Ortsteil Burgsteinfurt ein Feld mit etwa 40 Gräbern für Muslime eingerichtet. Nach Angaben der Steinfurter Stadtverwaltung sei es relativ unproblematisch gewesen, die Friedhofsordnung mit den Interessen der Muslime in Einklang zu bringen.
Die Friedhofsverwalter in Rheine melden dagegen deutliche Bedenken an. Hans Jürgen Vollenbröker von der Zentralrendantur weist darauf hin, dass zumindest die orthodoxe Auslegung muslimischer Bestattungsriten mit der gültigen Friedhofsordnung in Rheine kollidiert. Die Forderung nach dem ewigen Ruherecht, die Anordnung der Gräber mit Ausrichtung nach Mekka sowie die Tatsache, dass Muslime ein anderes Verständnis von Grabpflege haben als Christen, nennt Vollenbröker als Knackpunkte.
"Ich meine, dass hier die Stadt Rheine am Zuge ist", sagt Cord Bültermann, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Jakobi. Nach seiner Einschätzung sei es die "einfachste Lösung", wenn die Stadt den Muslimen ein Gräberfeld zuweisen würde.
Zusammen mit seinem Kollegen Mustafa Tunceli bemüht sich Helmut Hermes, Mitarbeiter im Sozialamt der Stadt Rheine, seit mehreren Monaten um eine Lösung, die die Interessen aller Religionsgemeinschaften berücksichtigt. Er zeigte Verständnis, als Mitglieder des Türkischen Schul- Eltern- Kultur- und Sportvereins vor mehr als einem Jahr die Bitte nach einem eigenen Gräberfeld vortrugen. Ein Wunsch, der im Übrigen von den anderen türkischen Vereinen in Rheine unterstützt wird.
"Mittlerweile ist es so, dass die erste Generation der Zuwanderer in das Alter kommt, in dem man an das Sterben denken muss. Die erste Generation sieht jetzt auch, dass die Kinder und Kindeskinder hier in Rheine zu Hause sind, und dass sie auf Dauer hier bleiben werden. Viele sind ja auch schon eingebürgert. Da besteht, wie bei vielen Einheimischen der Wunsch, in der Nähe der Kinder beerdigt zu werden", erläutert Hermes.
In den Jahren zuvor war es üblich, dass die Toten in die alte Heimat überführt und dort nach den religiösen Geboten bestattet wurden. Es gibt in Deutschland mehrere Bestatter, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Die Kosten für die teure Überführung und die Bestattung bestreiten die türkischen Muslime oft aus einem eigens zu diesem Zweck eingerichteten Beerdigungsfonds.
Es sind indes nicht die teuren Überführungskosten, die die Muslime in Rheine nach einem eigenen Gräberfeld suchen lassen. Vielmehr reagieren die Türken der so genannten ersten Zuwanderer-Generation auf die Realität. Denn wie sagt Faruk Iflazoglu? "Zu Hause, das ist Rheine." Auch über den Tod hinaus.
Münsterländische Volkszeitung 22.12.2000
Muslime drängen auf eigene Grabfelder
Sozialausschuß fordert Verwaltung zum Handeln auf
Die Muslime in Rheine wünschen seit langem ein Gräberfeld, auf dem sie ihre Toten nach den Bestattungsriten ihres Glaubens beisetzen können. Bislang vergeblich. "Findet dieser Wunsch keine Akzeptanz in Rheine?", fragte Kamal Kassem als Vertreter des Ausländerbeirates am Mittwoch im Sozialausschuss.
Kassem fürchtet, dass das Thema in der Rheiner Stadtverwaltung "nicht ernsthaft behandelt wird". Zudem wünsche er sich in dieser Frage auch mehr "Toleranz" von den christlichen Kirchen in Rheine.
Bernd Bietmann (CDU) vermisste ebenfalls Informationen der Stadtverwaltung. "Es hat doch eine Anfrage aus diesem Ausschuss gegeben, ob ein Gräberfeld auf dem geplanten Friedhof in Mesum möglich ist. Warum ist die noch nicht beantwortet?"
Unterdessen teilte Erster Beigeordneter Dr. Ernst Kratzsch gestern mit, dass die Stadt im Augenblick "den Bedarf bei allen Kirchengemeinden" ermittelt. Zudem solle die aktuelle Friedhofsstruktur der Kirchengemeinden untersucht werden. In dem kommenden Tagen will die Verwaltung mit den Vertretern von Kirchengemeinden weitere Gespräche führen. Dabei werde dann auch über Grabfelder für Muslime gesprochen.
Münsterländische Volkszeitung 30.03.2001
Bekommt Rheine bald einen islamischen Friedhof?
Christliche Gemeinden wollen im Sommer Lösung präsentieren
Bekommt Rheine bald einen islamischen Friedhof? Der Wunsch, den Mitbürger islamischen Glaubens in den vergangenen Jahren mehrfach über den Ausländerbeirat an die Stadt heran getragen haben, kann offenbar in einigen Monaten erfüllt werden. Zumindest kündigte Ludger Schöpper, stellvertretender Fachbereichsleiter des Sozialamtes, am vergangenen Mittwoch im Ausländerbeirat an, dass es im Sommer eine Lösung in dieser Frage geben werde.
Schöpper verwies auf eine Gespräch zwischen Rheines Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch, der auch für das sogenannte Rituswesen zuständig ist, und Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche, die in Rheine die Friedhöfe betreiben.
Bei den Gesprächen Anfang April habe Einigkeit darüber bestanden, dass die christlichen Kirchen auch weiterhin den Betrieb der Friedhöfe übernehmen werden. Darüber hinaus sei die Bereitschaft signalisiert worden, Grabfelder für Muslime einzurichten. Bis zum 30. August sollen dann Umsetzungsmöglichkeiten präsentiert werden, sagte Schöpper weiter. In der Zeit bis Ende August wollen die Vertreter der christlichen Kirchen verschiedene Fragen zu diesem Thema intern besprechen.
Die Voraussetzungen für ein islamisches Begräbnis erläuterte der katholische Theologe und stellvertretende Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft, Dr. Thomas Lemmen, auf Einladung des Ausländerbeirates. In einem fachkundigen Vortrag wies er darauf hin, dass es in Berlin schon im 18. Jahrhundert einen Friedhof für Muslime gegeben hat. Nachdem seit den 60er Jahren immer mehr Muslime - darunter sehr viele Türken - nach Deutschland gekommen seien, hätten viele Kommunen reagieren müssen.
Mittlerweile haben etwa 70 deutsche Städte und Gemeinden islamische Friedhöfe oder islamische Grabfelder eingerichtet, berichtete Lemmen. "Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass es geht" sagte Lemmen. Allerdings rate er dazu, dass sich im Vorfeld alle Beteiligten an einen Tisch setzen, um die Erfordernisse zu erörtern und Richtlinien aufzustellen. "Das gibt Rechtssicherheit für alle Beteiligten."
Lemmen empfahl Mustersatzungen, wie sie zum Beispiel von der Stadt Aachen erstellt wurden.
Lemmen wies zudem auf die Punkte hin, die eine muslimische Bestattung nach muslimischem Brauch auf einem christlichen Friedhof nicht ohne weiteres möglich machen.
Unter anderem sind das:
Münsterländische Volkszeitung, 14.05.2001
Grabfeld für Muslime
Bei der Suche nach einem Grabfeld für Verstorbene muslimischen Glaubens zeichnet sich eine Lösung ab: Wie Sozialdezernentin Ute Ehrenberg erläuterte, ist eine Lösung auf dem Friedhof Eschendorf in Planung. Die Stadt habe das Gräberfeld, das über einen eigenen Eingang verfügen soll, bereits so eingemessen, dass die Ausrichtung der Begräbnisstätten gen Mekka erfolgt.
Münstersche Volkszeitung 05.07.2003
Begräbnisplätze für Muslime in Kürze
Besuch des türkischen Generalkonsuls
Begräbnisplätze für muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger werden in Kürze auf dem Friedhof Eschendorf zur Verfügung stehen. Dies teilte Bürgermeister Wilhelm Niemann beim gestrigen Besuch des türkischen Generalkonsuls Alphan Sölen mit. Mit diesem Gräberfeld für Muslime kämen die Kirchengemeinde St. Antonius und die Stadt Rheine einem schon lange geäußerten Wunsch türkischer MitbürgerInnen nach. Die Notwendigkeit dazu ergebe sich allein schon aus der Integration dieser in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Gastarbeiter nach Rheine gekommenen Bevölkerungsgruppe.
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Münstersche Zeitung 17.07.2003
Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die islamische Begräbnisstätte auf dem Friedhof Eschendorf vor einigen Monaten in Betrieb genommen worden. Im Februar dieses Jahres fand hier die erste Bestattung nach islamischem Ritus statt. Inzwischen gibt es fünf Grabstätten auf dem Grabfeld an der Jägerstraße. Auf eine offizielle Einweihung wurde bewusst verzichtet, denn im Islam ist die Totenruhe heilig. Mit der Einrichtung des Gräberfeldes, das Platz für etwa 100 Gräber bietet, kamen die Kirchengemeinde St. Antonius und die Stadt Rheine einem lange geäußerten Wunsch der in Rheine lebenden Moslems nach. Bislang waren sie für die Bestattung ihrer Toten auf einen Friefhof in Steinfurt angewiesen. Verstorbene Muslime der ersten Generation ließen sich häufig sogar in ihre Heimatländer überführen und dort nach islamischem Ritus bestatten, weil dies in Rheine nicht möglich war. Das ist nun nicht mehr notwendig.
1964 kamen die ersten zehn türkischen Gastarbeiter nach Rheine. Heute leben etwa 1000 Türken in der Emsstadt. Viele davon sind inzwischen eingebürgerte Deutsche. Damit sind die türkischen und türkischstämmigen Einwohner die zahlenmäßig größte Gruppe zugewanderter Ausländer in Rheine. Etwa 300 von ihnen sind Kinder und Jugendliche, 650 Erwachsene und 50 bereits im Rentenalter.
Die Entscheidung über die Einrichtung eines islamischen Gräberfeldes hatte sich aus verschiedenen Gründen über vier Jahre hingezogen. Zum einen musste ein geeignetes Gelände gefunden werden, zum anderen sind die islamischen Bestattungsriten nicht ohne weiteres mit dem deutschen Bestattungswesen vereinbar.
Letzlich wurde jedoch ein Kompromiss gefunden, mit dem beide Seiten leben können. Verstorbene dürfen nun auf dem Friedhof in Eschendorf nach islamischem Ritus bestattet werden. Einzige Ausnahme: Die Sargpflicht bleibt bestehen. Die Akzeptanz der muslimischen Bestattungskultur ist so auch ein Schritt zur Integration in die deutsche Gesellschaft und sorgt für eine Entkrampfung im Verhältnis zwischen den Religionen. Wie im Leben, so sind Muslime nun auch im Tod unsere Nachbarn geworden.
Münsterländische Volkszeitung 27.10.2004