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Pressespiegel 2002

christlich-muslimischer Dialog in Rheine

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19.01.2002: "Dschihad" ist "gerechter Krieg"
   Diskussion "Religion und Gewalt in christlicher und muslimischer Lehre und Tradition"

09.03.2002: "Der Islam gibt mir den Halt"
   Wilhelm Sabri Hoffmann trat vor vier Jahren zur muslimischen Glaubensgemeinschaft über

"Dschihad" ist "gerechter Krieg"

Diskussion "Religion und Gewalt in christlicher und muslimischer Lehre und Tradition"

Gerd Ständer (Mitte), Leiter der Familienbildungsstätte, moderierte am Donnerstagabend die Podiumsdiskussion, an der Muslim Wilhelm Sabri Hoffmann (links) und der Pfarrer der Gemeinden St. Elisabeth und St. Michael, Ludger Kaulig (rechts), teilnahmen. Foto: Rott "Der 11. September hat unsere Welt verändert." Mit diesen Worten leitete Walter Möller, Leiter der VHS, die Podiumsdiskussion "Religion und Gewalt in christlicher und muslimischer Lehre und Tradition" ein.

55 Besucher interessierten sich nach der Konfrontation der beiden Weltreligionen im Jahr 2001 für die Ursachen des Kqnflikts. Unter der Moderation von Gerd Ständer, Leiter der Famiienbildungsstätte, erläuterten Wilhelm Sabri Hoffmann und Ludger Kaulig theologische Hintergründe.

Hoffmann konvertierte vor vier Jahren vom Katholizismus zum Islam. Er begründete seinen Übertritt mit den Worten: "Für mich ist der Islam der direkte Weg zu Gott. Er bietet für alle Lebenssituationen praktische Lösungen an. Ich verstehe es als meine Pflicht, zu anderen Bereichen Brücken zu bauen."

Kaulig arbeitet als katholischer Pastor in den Gemeinden St. Michael und St. Elisabeth.. Augenblicklich promoviert er über den christlich-islamischen Dialog. In seinem Referat reflektierte er über widersprüchliche Bibelstellen zum Thema Gewalt und konfrontierte diese Zitate mit historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Abendland.

In der westliche Kultur verkörpert der Begriff "Dschihad" den zentralen Diskussionspunkt. Hoffmann sagte: "Die Formulierung wird zumeist als 'heiliger Krieg' übersetzt. Das ist nicht zutreffend. Die Übersetzung 'gerechter Krieg' entspricht eher dem Inhalt. Gewalt ist im Islam das letzte Mittel der Auseinandersetzung. Sie muss seitens der Gemeinschaft legitimiert und begrenzt sein."

Die Aufklärung habe im Islam im 13. Jahrhundert stattgefunden und sei durch die kriegerischen Übergriffe der Mongolen zum Erliegen gekommen, erklärte Hoffmann. Im 19. Jahrhundert wurde die Diskussion wieder aufgegriffen und hält bis heute an. "Sie verläuft aber nicht in der gleichen Richtung wie im Christentum", fuhr er fort.

Britischer und französischer Kolonialismus führten zu einer Neubestimmung des Islam. Eingriffe in den muslimischen Lebensstil werden als Demütigung und Ehrverlust empfunden. Fundamentalisten sehen in der Verwirklichung des Islam ein Gegenmodell zur westlichen Gesellschaft.

Kaulig thematisierte die Ursache von Gewalt. Er sagte: "Menschliche Aggressivität ist eine Vorbedingung von Gewalt. Hinzu kommt als Gefühl die Angst. In der Bibel wird uns die Geschichte von Kam und Abel erzählt. Dort geht es um die Angst, von Gott nicht angenommen zu werden." Der christliche Glaube gebe Sicherheit. Er betone den Wert des Lebens, den Gott im fünften Gebot garantierte: "Du sollst nicht töten!"

Demgegenüber stehe das Bibelzitat: "Auge um Auge." Kaulig interpretierte die Textstelle: "Was uns unbarmherzig erscheint, ist ein riesiger Schritt im Rechtsempfinden der Völker. Die Rache wird als globale Gefahr erkannt."

Die Bergpredigt stelle dann auf den ersten Blick einen neuen ethischen Kodex dar. Der Pastor sagte: "Sie stellt keine Bedingungen, sondern trifft Feststellungen und öffnet Perspektiven."

Die Fragen des Publikums bezogen sich mehr auf das praktische Zusammenleben der Konfessionen. Insbesondere die Rolle der Frau im Islam beschäftigte die Zuhörer. "Dieses Thema werden wir demnächst diskutieren" ‚ versprach Möller.

Münstersche Zeitung 19.01.2002
Foto: Rott, Münsterländische Volkszeitung 19.01.2002


"Der Islam gibt mir den Halt"

Wilhelm Sabri Hoffmann trat vor vier Jahren zur muslimischen Glaubensgemeinschaft über

Wilhelm Hoffmann wartet erstmal ab. Er ist der Typ Mensch, der sich nicht aufdrängt, sondern geduldig auf andere zugeht. Nur einmal im Leben, da war der 49-jährige Rheinenser nicht abwartend, sondern hat eine tiefgreifende Entscheidung getroffen. Er ist zum Islam übergetreten.

Sein ruhiges Wesen hat ihm auch den Beinamen Sabri eingebracht. Das ist Arabisch und heißt "Der Geduldige". Wenn man in seiner gemütlichen, über und über mit orientalischen Teppichen ausgelegten Wohnung sitzt, und er zu erzählen beginnt - der studierte Philosoph und Historiker weiß viel zu erzählen -‚ begreift man, warum er diesen Beinamen trägt.

Der "Schritt"

"Meine Freunde haben mich schlichtweg für bekloppt erklärt", lacht er. Es sei seiner Familie und seinen Bekannten zu Beginn überhaupt nicht verständlich gewesen, warum er den Schritt vollzogen hat. Der "Schritt", das war sein Eintritt in den Islam vor vier Jahren. Ein Schritt, den in Deutschland jährlich etwa 200 bis 350 Menschen wagen.

Lange hatte er nach einem Halt in seinem Leben gesucht. Diesen fand er weder in der Philosophie noch in seinem angestammten Glauben, dem Christentum. Seinen ersten Kontakt mit dem Islam hatte er in der Referendarszeit, als er türkische Kinder unterrichtete. Er begann, ihre Sprache zu lernen. "Die Türkei hat mich schon immer fasziniert", erklärt er heute. "Es gibt kein Land, das so reich an historischen Denkmälern ist." Seit 1987 bereist er einmal jährlich das weite Land am Bosporus.

Nach dem Referendariat hatte er keine Anstellung als Lehrer bekommen. Er wurde mit Jahresverträgen vertröstet. Ein solcher führte den Sauerländer schließlich 1982 nach Rheine. Nach einer Umschulung zum Anwendungsprogrammierer arbeitet er heute für Novaline. Fünf Minuten von hier entfernt, so dass ich in der Mittagspause nach Hause gehen kann, um nach Mekka zu beten", schmunzelt er.

Fünf Gebete täglich

Fünf Mal täglich rollt er in seiner Wohnung den Gebetsteppich aus. Das, was man als Nicht-Muslim vielleicht als aufwändig empfindet, sieht er als Vorzug: "So wird mein Alltag von meiner Religion durchdrungen. Ich habe zwar nichts gegen das Christentum, aber die Gotteserfahrung ist im Islam einfach direkter."

Keine Konkurrenz

Eine Konkurrenz zwischen den Religionen will er jedoch nicht sehen. Er hat es sich vielmehr zur Aufgabe gesetzt, den Dialog voranzutreiben. Er engagiert sich im Türkischen Schul-, Eltern-, Kultur- und Sportverein, sitzt im Ausländerbeirat und ist Mitglied der Christlich Islamischen Gesellschaft. Ins Internet hat er eine Homepage gestellt, die über den Islam informiert.

Als Übersetzer und Sachkundiger ist er ein vielgefragter Mann. "In Rheine ist der Islam immer noch die Religion der Fremden." Das soll sich ändern. Weiter Pläne sind gefasst. Als nächstes plant er, einen Deutsch-Türkischen Freundschaftskreis und einen Christlich-Islamischen Gesprächskreis zu gründen. Es gebe - nicht erst seit dem 11. September - noch einige falsche Vorstellungen über den Islam.
»www.wshoffmann.de

Frank Schuster

Münstersche Zeitung 09.03.2002

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