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Terrorismus

Muslime nehmen Stellung

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Muslime befinden sich immer wieder in der Lage, sich für etwas zu verantworten zu sollen, was sie nicht angestiftet haben und was sie immer wieder verurteilt haben, was aber andere im Namen des Islams mit tödlicher und grausamer Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben begangen haben.

Mit den Anschlägen in Madrid am 09. März 2004 werden die Muslime in Europa erneut unter Generalverdacht gestellt. Es wird ihnen vorgeworfen, sie würden Gewalt befürworten, oder zumindest, dass sie sich nicht klar genug gegen den Terrorismus aussprechen. Wenn dann eine "präventiv-polizeiliche Aktion" wie in Bochum, wo am 16.04.2004 ca. 500 Besucher der Freitagsgebetes in zwei Moscheen überprüft werden und die Gebetsstätten abgeriegelt werden, so mag in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, hier seien endlich die Orte gefunden, an denen Bombenbastler und Terroristenwerber ungestraft ihr Handwerk ausüben könnten.

Tatsache ist aber:

Nicht erst seit dem 09.03.2004 haben sich alle muslimischen Verbände klar gegen Terror und Gewalt als Lösungsmittel in politischen Konflikten ausgesprochen. - Diese werden aber anscheinend nicht zur Kenntnis genommen.

Gemeinsame Stellungnahme des Islamrats und des Zentralrats
weitere Stellungnahmen

Trotz zahlreicher Durchsuchungen und Personenkontrollen in Moscheen ist bisher kein einziger Terrorist in einer Moschee verhaftet worden.

Bekennende Muslime, Frauen mit Kopftuch oder Männer mit Kleidung aus islamischen Ländern sind zunehmend Anfeindungen ausgesetzt.

Eine weit verbreitete Rhetorik legt nahe, dass mit den Anschlägen in Madrid der Terrorismus zu einer Bedrohung für Europa geworden sei. Zu schnell wird unterschlagen, dass die Anschläge von Istanbul im November 2003 auch in Europa stattfanden. - Als wenn Istanbul nicht zu Europa gehören dürfte und Muslime keine Europäer oder Opfer des Terrorismus sein könnten.

Es wird weiterhin übersehen, dass die Muslime in Deutschland noch keine ausgereiften Strukturen für Öffentlichkeitsarbeit besitzen oder ein Organ geschaffen haben, dass im Namen aller Muslime sprechen kann. In Situationen, in denen auf bestimmte Ereignisse schnell und öffentlichkeitswirksam reagiert werden muss, ist das sicherlich ein Nachteil.

 

Gemeinsame Stellungnahme des Islamrats und des Zentralrats zu den aktuellen Geschehnissen in Madrid

Der erneute Versuch einer Terrortat in Spanien erfüllt uns mit Abscheu für solche Terrorakte und zugleich mit großer Sorge um den Frieden in der Welt und in Europa.

Wir nehmen dies zum Anlass, unsere grundsätzliche Haltung gegen Terror und Gewalt, die wir eindeutig nach dem 11. September 2001 und dem 11. März 2004 geäußert haben, ein weiteres Mal in aller Deutlichkeit kundzutun.

Wir verurteilen jede Art von Terrorismus und sehen darin sowohl einen abgrundtiefen Verfall aller Maßstäbe der Menschlichkeit und der Vernunft als auch einen Widerspruch zu den Lehren aller Offenbarungsreligionen.

Dass auch Muslime hinter terroristischen Gräueltaten stecken und sich dabei auf den Islam berufen, macht uns mehrfach betroffen:

Ihr Verbrechen an Unschuldigen versetzt die Muslime - wie alle anderen Menschen auch - in Schock und Trauer...

Ihren blinden Taten fallen wahllos Christen, Juden und Muslime; Frauen und Männer; Greise und Kinder zum Opfer.

Wer immer solche blutigen Taten verübt, findet im Islam keine Rechtfertigung. Der Islam verbietet Mord, Geiselnahme, Anarchie und Terror.

Wer solche Verbrechen duldet, gutheißt oder gar deckt, macht sich der Mittäterschaft schuldig. Für solche Täter oder Mittäter wird es in unseren Gemeinden kein Verständnis, keinen Platz und keine Unterstützung geben. Gegen den Missbrauch unserer Religion lehnen wir uns auf und distanzieren uns von den Verbrechern.

Eschweiler/Bonn, 5. April 2004

Dr. Nadeem Elyas
Zentralrat der Muslime in Deutschland

Ali Kizilkaya
Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland

Quelle: « http://www.islam.de/?site=articles&archive=newsnational&article_number=2026

 

Deutsche Muslim-Liga Bonn e.V. (DMLBonn)
"Wir sprechen uns in aller Schärfe gegen den Missbrauch des Islams zur Begründung von Terrorismus aus und distanzieren uns von denjenigen, die diese verbrecherischen Taten durchgeführt haben oder stützen.
Man mag dem kürzlich verstorbenen Sir Peter Ustinov zustimmen, der in einem seiner letzten Interviews sagte, dass "Terrorismus der Krieg der Armen und Krieg der Terrorismus der Reichen" sei. Gleichwohl betrachten wir es als unsere unbedingte Aufgabe, als Muslime unserer Bestürzung und unserem Entsetzen aufs Neue Ausdruck zu verleihen und uns gegen den Missbrauch des Islams in aller Schärfe und Klarheit zu verwehren.
"

Islamischen Föderation Berlin
"Wir haben keinerlei Verständnis für die Taten von Massenmördern, die im Namen der Religion - insbesondere des Islam - Gewalttaten begehen. Wir missbilligen diese Vorgehensweise auf das Schärfste."

Ibrahim El-Zayat - Islamische Gemeinschaft Deutschland (IGD)
"Es ist für uns unvorstellbar, was Menschen dazu verleiten kann, ein solches Verbrechen zu begehen. Gleichzeitig möchten wir betonen, dass wir uns von dieser, wie von jeder anderen Art von Gewalttätigkeit uneingeschränkt distanzieren und bitten, dass die Welt verstehen wird, dass der Islam solche Verbrechen auf das Schärfste ablehnt. Wir hoffen, dass die Schuldigen nicht ungestraft bleiben werden. ... Ich hoffe aber, dass wir unseren Mitbürgern begreiflich machen können, dass es kein Mehr an Sicherheit gegenüber solchen Anschlägen gibt, wenn man alle Muslime unter Generalverdacht stellt und sie durch die Behandlung, die man ihnen angedeihen lässt, nur in die Resignation treibt. Vielmehr sollten wir gemeinsam versuchen, uns nicht durch terroristische Akte gegeneinander aufhetzen zu lassen."

Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
"Keinerlei Rechtfertigung kann es für die grausamen Attentate geben. Sie sind durch nichts zu legitimieren - weder politisch, noch religiös. Die Urheber sind als Verbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen."

Islamische Religionsgemeinschaft Hessen
"Terror hat keine religiöse und ethische Grundlage. ... Wir verurteilen mit aller Entschiedenheit den Missbrauch des Namens Gottes durch die sich zu den Anschlägen bekennende Gruppe und erachten dies als blasphemische Äußerungen. Es ist die Absicht der Täter, Hass unter die Menschen zu säen. Wir rufen dazu auf, sich dem entgegenzustellen und ein Bündnis der Solidarität gegen den Terror jeder Art zu gründen."

Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG)
"Das grausame Attentat in Madrid, bei dem hunderte von unschuldigen Menschen um das Leben kamen, ist beschämend für die Menschheit. Wir verurteilen es auf das Schärfste. Wer denkt, mit dem Mord an unschuldigen Menschen irgendetwas erreichen zu können, der irrt sich. Terror ist ein Vergehen an der Menschheit. Egal von wem es kommt, egal wozu es dienen soll, es schwächt die Grausamkeit der Tat nicht ab."

Scheich Abdullah Halis Dornbrach - Institut für Islamstudien
"Islam hat mit Terror nichts zu tun und wir als Muslime in Deutschland haben damit auch nichts zu tun, wenn sich einzelne Muslime mit Gewaltakten weit vom Islam entfernen. ... Selbst der Prophet Muhammad sprach sich dafür aus, dass in kriegerischen Auseinandersetzungen Kinder und Frauen geschützt werden, sogar Bäume. Wenn es eine Bedrohung gegen den Islam oder gegen Muslime gebe, so dürfte es lediglich darum gehen, der Bedrohung mit möglichst geringem Schaden Herr zu werden. Ein Angriff auf unschuldige Menschen, seien es nun Muslime oder nicht, ist in keiner Weise mit dem Islam zu vereinbaren."

Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB)
"Unter dem Deckmantel des Islams haben die Mörder ohne Gewissen und entgegen jegliche islamische Werte und dies gerade in der aller heiligsten Zeit der Muslime die Tötung von Muslimen, Christen und Juden zu verantworten. Damit haben sie auch der Weltöffentlichkeit bewiesen, dass es ihnen nicht um die Werte des Islams geht, sondern allein um kriminelle Akte gegen Unschuldige zur Verwirklichung von eigenen verwerflichen Zielen. Diese abscheulichen Absichten sind der türkischen Gemeinde in Deutschland seit den Anschlägen vom 11.September bekannt; Sympathisanten, Befürworter oder auffällige Mitläufer haben in den Moscheen der türkischen Gemeinden nichts zu suchen."

Mahmud Askar - Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V. (ATIB)
"Man erwartet von uns, dass wir zum Terrorakt in Madrid Stellung nehmen. Wir sind gegen jede Art von Terror, sei es staatlicher oder anderer. Wir haben uns besonders seit dem 11. September immer wieder mit Presseerklärungen und Stellungnahmen gegen jede Art von Terror geäußert."

Erol Pürlü - Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ)
"Wir verurteilen derartige Terrorakte wie in Madrid. Das hat nichts mit dem Islam zu tun, wenn unschuldige Menschen getötet werden. Das kann man weder mit der Lehre des Islam noch mit dem heiligen Koran rechtfertigen. ... Die Muslime in Deutschland sind sich einig, dass solche Anschläge wie die in Madrid dem Islam nur Schaden bringen. Es ist auch ein Anschlag auf den Islam selbst. So wird der Islam diskreditiert und Muslime geraten schnell unter Generalverdacht."

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wilhelm sabri hoffmann - rheine - 2004