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Dachverband VIKZVerband der Islamischen Kulturzentren. |
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Der Verband
Geschichte
Orientierung
Schlagwort: "Süleymanci"
Der Verband der Islamischen Kulturzentren Köln e. V. umfaßt als Dachverband ca. 300 Einzelgemeinden in Deutschland und ist eine eigenständige und unabhängige Einrichtung. Sitz der bundesweiten Zentrale ist Köln. Die überwiegend türkischstämmigen Mitglieder gehören der sunnitischen Glaubensrichtung an und versuchen in Deutschland, den Islam im Alltag zu leben. Der Verband war bis zu seinem Austritt im Jahre 2000 der mitgliederstärkste im Zentralrat der Muslime in Deutschland.
Die Gründung des Verbandes geht auf das Jahr 1973 zurück. Anlaß für die Gründung von örtlichen und damals noch unabhängigen Islamischen Kulturzentren war die Sorge um den Erhalt der religiösen Identität besonders der jungen Generation "Der Islam hat hierzulande vor allem mit der Einreise der Muslime in den sechziger Jahren aus den verschiedenen Anwerbestaaten, insbesondere aus der Türkei, an Bedeutung zugenommen. Diese Muslime kamen in eine für sie fremde Gesellschaft und wurden mit anderen Lebensweisen und Strukturen konfrontiert, so daß sie sich mit neuen sozialen und religiösen Problemen auseinanderzusetzen hatten. Auch wenn viele Fragen im sozialen Bereich im Laufe der Zeit aufgegriffen werden konnten, stellte sich die religiöse Komponente besonders für praktizierende Muslime als ein tiefergreifendes Problem dar. Es ging dabei in erster Linie um die Pflege und Bewahrung der eigenen kulturellen Identität, um die Weitergabe des Glaubens und eines Wertmaßstabes an die jüngere Generation. Verknüpft hiermit verlangten Eltern für ihre Kinder eine religiöse Unterweisung zur Erlangung der islamischen Grundkenntnisse - ähnlich einem Konfirmations- bzw. Kommunionsunterricht." (Selbstdarstellung)
Die Unterweisungen konzentrieren sich insbesondere auf das Rezitieren und Verstehen des Koran sowie das Einüben der alltäglichen Religionspraxis.
Die Vermittlung des islamischen Grundwissens erfolgt zuerst über das Erlernen des arabischen Alphabets.
Gleichzeitig werden kürzere Koranpassagen zur Verrichtung des rituellen Gebetes eingeübt.
Das notwendige Minimum an Texten für das tägliche Gebet fände auf 3 Din-A4 Seiten Platz.
Im Jahre 1980 schlossen sich die örtlich entstandenen Verbände zu einem zentral geleiteten Verband mit Sitz in Köln zusammen.
« VIKZ - Verband der Islamischen Kulturzentren Köln e. V.
Die Vereinssatzung schließt parteipolitische Stellungnahmen aus. Der Verband ist auch unabhängig von türkischen Regierungsstellen oder staatlichen türkischen Organisationen.
Im Laufe der Zeit hat der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedern eine Entwicklung mitgemacht, die heute die dauerhafte Präsenz in Deutschland nicht mehr in Frage stellt. Der Großteil der Gebetsräume ist nicht mehr angemietet, sondern käuflich erworben. Imame und Prediger werden nicht mehr aus der Türkei geholt, sondern in Deutschland ausgebildet.
Aufgrund dieser Verankerung in der deutschen Gesellschaft sieht der Verband die Fortführung des interreligiösen Dialogs als eine seiner wichtigsten Aufgaben an. Zu dieser Öffentlichkeitsarbeit gehört die Betreuung von Besuchergruppen aus Schulen, Kirchen, Behörden, Bürgerinitiativen und anderen Interessensgemeinschaften. Jeder, der sich für den Islam im allgemeinen, oder speziell für den Verband interessiert, kann dies ohne weiteres durch einen persönlichen Besuch in einer der Gemeinden tun.
Ein wichtiges Forum für diesen Dialog war die Islamische Akademie Villa Hahnenburg ISLAH, die 1998 in Köln ihre Bildungsarbeit aufgenommen hatte. Sie wollte für Muslime und Nichtmuslime eine breite Angebotspalette von Tagungen, Seminaren und Kursen über religiöse, gesellschaftliche und kulturelle sowie praktische Themen bieten. Die Arbeit der Akademie wurde im Jahre 2000 bis auf weiteres eingestellt, weil der Verband die finazielle Belastung nicht mehr zu tragen bereit war.
Immer wieder werden Angehörige des Verbandes als "Süleymanci" (Anhänger von Süleyman) etikettiert, weil unter den Gründern des Verbandes Schüler des Gelehrten Süleyman Hilmi Tunahan Efendi mitgewirkt haben.
Mit dieser Bezeichnung wird ein sektenhafter Charakter des Verbandes und seiner Mitglieder heraufbeschworen.
Süleyman Efendi wurde im Jahre 1888 im Dorfe Ferhatlar bei Hazergrad in Silistre im heutigen Bulgarien geboren. Er studierte in seiner Heimat und in Istanbul an Theologischen Hochsschulen und errang dort den Grad eines Dersiâm (Professors). Mit der Säkularisierung des Erziehungswesens 1924 wurden die Theologischen Schulen geschlossen und Süleyman Efendi wurde als Prediger tätig.
In den folgenden Jahren wies er wiederholt und freimütig darauf hin, dass der türkische Laizismus ein unzulässiger Eingriff des Staates in die private Religionsausübung sei, was dem Prinzip des Laizismus - Trennung von Religion und Staat, nicht Vorherrschaft des einen über den andern - eigentlich widerspreche. Insbesondere wandte er sich gegen die Vernachlässigung der religiösen Bildung und den Gebrauch der türkischen Sprache für Pflichtgebet und Gebetsruf. Dieser Einsatz brachte ihn wiederholt vor die Gerichte.
Im Jahre 1951 eröffnete er eine private Schule für religiöse Grundausbildung, aus deren Schülern viele Imame und Hodschas hervorgingen. Nach dem Tode Süleyman Hilmi Tunahans im Jahre 1959 wurde sein Hauptanliegen - religiöse Unterweisung der Jugend - von seinen Schülern fortgeführt.
« His Eminence Süleyman Hilmi Tunahan's web site (English/Deutsch)
Diese Aktivitäten blieben nicht unangefeindet. Süleyman Hilmi Tunahans und seinen Schülern wurde religiöser Obskurantismus und Feindschaft gegenüber republikanischen Idealen vorgeworfen. Die Tatsache, daß Süleyman Efendi ein Angehöriger der Nakschbandiya - eine auf fromme Lebensführung gerichtete orthodoxe Tarikat - war und viele seiner Schüler auch in dieser Tarikat eingebunden sind, wurde zum Anlaß genommen, die Anhänger als verschworene Gemeinschaft oder Geheimgesellschaft darzustellen, die ihrem religiösen Führer eine fast messianische Verehrung zukommen lasse.
Es kann nach meinem persönlichen Eindruck nicht bestritten werden, dass manchmal in den Reihen der einfachen Mitglieder z. T. recht obskure Ansichten bezüglich der Vorzüge des Islams, des Verhältnisses zu den Christen, oder zur Rolle von Süleyman Efendi vertreten werden. Aber das ist wohl in jeder (auch einer deutschen, christlichen) Gemeinde nicht viel anders. Feststellen durfte ich aber auch, dass feindliche Äußerungen von solchen Mitgliedern gegenüber anderen Religionsgemeinschaften, der deutschen Umwelt, türkischen oder deutschen Institutionen von der Verbandsführung oder den Gemeindeleitungen heute nicht mehr geduldet oder unterstützt werden.
« Verband der Islamischen Kulturzentren e.V.
Selbstdarstellung
« Islamische Organisationen in Deutschland von Thomas Lemmen. Bonn 2000.
Eine Dokumentation der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Gerdien Jonker: Eine Wellenlänge zu Gott.
Der »Verband der Islamischen Kulturzentren« in Europa.
transcript: Bielefeld 2002